Die Geschichte von Oertli beginnt 1955 mit einer Werkstatt für chirurgische Instrumente. Was klein startet, entwickelt sich über die Jahrzehnte zu einem internationalen Medtech-Unternehmen mit einem klaren Fokus: Lösungen für die Augenchirurgie, entwickelt in der Schweiz für die ganze Welt.
Der 25-jährige Heinz A. Oertli gründet in St. Gallen eine Werkstatt für chirurgische Instrumente. Sein erster Arbeitsplatz befindet sich in einem rund 25 m² grossen Parterrelokal an der Zylistrasse 8. Mit einer Werkbank für zwei Arbeitsplätze, vorhandenen Werkzeugen und dem Anspruch, chirurgische Instrumente mit Präzision herzustellen, beginnt die Geschichte von Oertli.
Die Vitrektomie stellt in den 1960er Jahren neue Anforderungen an Technik und Präzision. Gemeinsam mit dem Zürcher Netzhautpionier Prof. Rudolf Klöti arbeitet Oertli an Lösungen für Eingriffe im hinteren Augenabschnitt.
1971 entsteht mit dem Klöti Vitrektomie Schneider die weltweit erste Lösung zur Entfernung des Glaskörpers.
1972 erfindet Oertli die erste Anwendung von bipolarer Diathermie in der Ophthalmologie zur Koagulation von Blutgefässen.
1974 folgt mit VitroCat die erste Operationsplattform für die Netzhautchirugie, welches die Flüssigkeitszu- und -abfuhr steuert und somit den Augendruck konstant haltet.
Nach den Entwicklungen in der Vitrektomie arbeitet Oertli weiter an der Frage, wie sich Flüssigkeiten, Absaugung und Gerätefunktionen im OP einfacher kontrollieren lassen.
1980 erfindet Oertli das kontaminationsfreie Kassettenkonzept und bringt die Fluidik in ein geschlossenes System.
1985 folgt die dual-lineare Fusspedalsteuerung: Über vertikale und seitliche Bewegungen kann der Chirurg mehrere Funktionen über das Pedal selber steuern.
Andreas Bosshard übernimmt Oertli und führt das Unternehmen weiter. Mit ihm beginnt ein neues Kapitel, das Oertli bis heute in der 2. Generation als familiengeführtes Medtech Unternehmen prägt.
Nach der Übernahme durch Andreas Bosshard baut Oertli die eigene Produktentwicklung weiter aus.
1994 führt Oertli Quinto im Markt ein. Damals ein modernes Operationssystem für die Kataraktchirurgie.
1996 erfindet Oertli das erste Doppelpumpensystem mit einer echten Venturi- und Peristaltikpumpe. Damit war es dem Chirurgen erstmals möglich die Pumpenart während der OP frei zu wählen.
1997 folgt das erste tragbare Phakosystem weltweit. Daraus entsteht die erfolgreiche CataRhex Familie die zu einem wichtigen Teil der Oertli Produktgeschichte wird.
Anfang der 2000er Jahre erweitert Oertli die Produktentwicklung in mehreren Bereichen der Augenchirurgie.
2001 erfindet Oertli die HFDS (High Frequency Deep Sclerotomy) Technologie. Dieses ab interno Verfahren dient der Behandlung des Offenwinkelglaukoms und stellt einen direkten Zugang zum Schlemmschen Kanal her.
2002 kommt das OS3 auf den Markt, eine Operationsplattform für die Kombi-OP von Katarakt- und Vitreoretinalchirurgie. Damit verbindet Oertli verschiedene Anwendungen in einem System.
2004 erhält die CataRhex Linie mit CataRhex SwissTech ein neues Kapitel. Das Phakosystem steht für tragbare Technik in der Kataraktchirurgie und stärkt den kompakten Ansatz, der Oertli bereits seit der ersten CataRhex Generation prägt.
2005 entwickelt Oertli den pneumatischen Vitrektomie-Schneider für 23G und 25G.
2008 erfindet Oertli das erste Autoseal Trokarsystem und entwickelt die einzigartige easyPhaco Technologie für CO-MICS 1,8 mm.
2009 entwickelt Oertli die easyPhaco Technology für 2,2 mm weiter. Im selben Jahr kommt das Faros auf den Markt und bringt die Katarakt- und Netzhautchirurgie in ein kompaktes Geräteformat.
2010 geht die operative Geschäftsleitung von Andreas Bosshard an seine Söhne Christoph und Thomas Bosshard über. Damit übernimmt die zweite Generation der Familie Verantwortung im Unternehmen.
Seit 2022 führen Christoph und Thomas Bosshard Oertli gemeinsam als Co-CEOs: Christoph mit Fokus auf operative Exzellenz entlang der Wertschöpfung, Thomas mit Fokus auf den weltweiten Markt und neue Produktinnovationen.
2024 dürfen wir einen besonderen Meilenstein feiern: Oertli gewinnt den Swiss Medtech Award. Der mit CHF 75’000 dotierte Innovationspreis würdigt Leistungen in der Schweizer Medizintechnik nach Kriterien wie Patientennutzen, Beitrag zur Gesundheitsversorgung und technologischem Pioniergeist.
Für Oertli ist die Auszeichnung eine besondere Anerkennung: Sie zeigt, was durch konsequentes Qualitätsdenken, fokussierte Kernprozesse und interdisziplinäre Zusammenarbeit entstehen kann.
Mit dem OS 4 Up führt Oertli die OS 4 Plattform in eine neue Generation. Nebst dem Herzstück, dem einzigartigen 3-Pumpen-System, überzeugt das OS 4 Up mit zahlreichen Innovationen.
Zu den Highlights zählen PACS, Phaco Assisted Cataract Surgery, für eine neue Leistungsdimension in der Phakochirurgie sowie Dynamic Infusion für Einstellungen des Augeninnendrucks nahe dem physiologischen Niveau.
Nach seiner Pensionierung fand Heinz A. Oertli mit der Restaurierung eines MG-Oldtimer eine neue Aufgabe. Im Interview erzählt er von dieser Zeit, von Reisen nach Frankreich, seinem Alltag heute und davon, wie er die Entwicklung von Oertli bis heute verfolgt.
